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Exklusivinterview mit Jörg Maier – Über Motivation und seinen Weg zum erfolgreichen Teamleader

Die besten Spieler spielen und die restlichen sitzen auf der Ersatzbank. Das funktioniert in einem Unternehmen nicht.

Jörg Maier berichtet über seine ganz persönlichen Erfahrungen als Vorstand der Original Landreisen AG. In den letzten 11 Jahren hat er sich ein erfolgreiches und motiviertes Team aufgebaut und stand vor vielen Herausforderungen. Im Gespräch verrät er uns sein Erfolgsgeheimnis und nimmt uns mit auf seinem Weg vom Einzelsportler zum souveränen Teamleader.

Sie sind der Vorstand von Original Landreisen und führen das Unternehmen und Ihr Team seit fast 12 Jahren. Was sind dabei genau Ihre Aufgaben?

Ich sehe mich selbst als einen mitspielenden Trainer. Das heißt, ich bin Teil des Teams und arbeite operativ mit und bin gleichzeitig Führungskraft. Das bedeutet, die primäre Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass das Unternehmen langfristig Erfolg hat und jeder Mitarbeiter seinen Beitrag dazu leistet. Dazu gehört, dass ich das Unternehmen strategisch ausrichte, die Philosophie einbringe und umsetze und alle Rahmenbedingungen schaffe, damit mein Team gut arbeiten kann. Eine gute Arbeitsatmosphäre, die technische Ausstattung usw. Ich bin das Bindeglied zwischen wichtigen Partnern wie Banken, Versicherungen, Steuerberatern oder Business Kooperationspartnern. Und es ist meine Aufgabe, und das ist natürlich besonders in Corona Zeiten sehr, sehr wichtig, sicherzustellen, dass das Unternehmen genügend finanzielle Mittel hat.

Es ist sicherlich nicht so einfach unter dem Schleier von Corona ein Unternehmen zu führen und gleichzeitig Ihre MitarbeiterInnen zu motivieren. Wie gehen Sie damit um?

Das stimmt. Und bei dem ersten Lockdown konnten wir noch gar nicht einschätzen, wie lange das alles geht. Wir wussten überhaupt nicht, was auf uns zukommt oder wie wir damit umgehen sollen – geschweige denn, was das für uns bedeutet… Wir hatten dann die schlechtesten zwei Monate, die es jemals gab und dann plötzlich ab Juni aufgrund der starken Nachfrage nach Reisen in Deutschland die vier Besten. Insofern ist momentan eine gewisse Ruhe im Team. Und es gibt immer Aufgaben, die man erledigen kann, um sich auf das vorzubereiten, was demnächst kommt. Aber es ist natürlich kräftezerrend und es ist anstrengend.

Deshalb ist es umso schöner, dass das Team so motiviert ist. Sie sind begeisterungsfähig und es gibt immer mindestens eine Person, die jeden Tag neue Motivation reinbringt. Und das macht es aus. Wir müssen diese Krise nun aussitzen. Und wenn es dann endlich wieder los geht, dann geht es auch bei uns weiter. Im Frühjahr 2020 wollten wir noch Gruppenreisen anbieten, aber da haben wir schnell gemerkt, dass die Nachfrage nicht groß werden würden. Deshalb haben wir uns auf das fokussiert, was den Menschen Sicherheit gibt. Also zu zweit oder alleine aktiv in der Natur sein, Radfahren oder Wandern. In einem Hotel mit Abstand. Und das hat natürlich eingeschlagen.

Ich stelle mir grundsätzlich schon die Frage: Ist das alles richtig, was man tut. Kommt unser Produkt noch an? Was genau hat sich verändert? Aber mit Reisen in Deutschland, vor allem mit Wanderungen im Schwarzwald, da sind wir auf alle Fälle gut für die nächste Zeit aufgestellt und das wissen wir.

Sie kommen ja ursprünglich aus dem Einzel-Leistungssport. Wie kam es dazu, dass Sie den Weg als Unternehmer und Teamplayer eingeschlagen haben?

Ich hatte als Kind schon eine große Leidenschaft für Sport und Bewegung draußen, habe zwei Jahre professionell Skilanglauf betrieben mit dem Ziel Olympia. Skilanglauf ist zwar etwas, was man nur im Winter bei Schnee machen kann. Aber das Training besteht aus vielen verschiedenen Sportarten. Wandern, Fahrrad fahren, Mountainbike, Rennrad, man läuft, macht alles Mögliche und das fast immer in wunderschöner Landschaft. Da konnte ich meine Leidenschaft für die Natur, für die Bewegung voll ausleben. Und dabei habe ich fast immer nur glückliche Menschen gesehen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Alle waren glücklich da draußen, haben die Natur genossen und mein Wunsch war es dann das, was ich da draußen erlebe, will ich auch anderen zeigen die das so nicht kennen. Natürlich nicht auf einem Leistungssport-Niveau, sondern auf einem Genuss-Niveau. Mit dieser Vision habe ich dann das Unternehmen gegründet. Als sich das Ganze dann entwickelte, stellte ich fest dass ich ein Team um mich brauche. Jetzt muss ich Menschen dafür begeistern, meine Ideen umzusetzen und mich zu unterstützen. Also ich muss Mitarbeiter führen, motivieren und begeistern. Das hatte ich bis dahin so nirgendwo gelernt. Nicht im Sport, weder in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann noch im Studium. Und das war dann der ausschlaggebende Punkt, um vom Einzelkämpfer zum Teamplayer zu werden…

Was war in dem Zusammenhang die größte Herausforderung für Sie?

Zuerst war ich gewissermaßen ein Produktmanager. Also man gründet eine Firma und feilt zunächst am Produkt, weil das Produkt natürlich im Mittelpunkt des Ganzen steht. Und dann kommen immer mehr Aufgaben dazu. Unter anderem Controlling, Finanzwesen, Buchhaltung und natürlich Personalwesen. Und das war wahrscheinlich die größte Herausforderung. Denn es ist nicht so, wie in einer Fußball-Mannschaft: Die besten Spieler spielen und die restlichen sitzen auf der Ersatzbank. Das funktioniert in einem Unternehmen nicht. Hier spielen alle und keiner sitzt auf der Bank. Die gesamte Kette ist also immer nur so stark, wie das schwächste Glied. Und das muss man wissen und damit umgehen können. Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass ich die Menschen eher verunsichere, anstatt sie zu motivieren und zu begeistern. Und da habe ich gemerkt, dass ich die notwendigen Soft Skills brauche. Ich wollte erfahrene Unterstützung, um mir diese Soft Skills anzueignen und auch den MitarbeiterInnen etwas an die Hand zu geben.

Man lernt im Studium viel über verschiedene Fachrichtungen, aber man lernt nicht, wie man Menschen richtig und gut führt und sie begeistert. Die Begeisterung für das Produkt ist dabei kein Problem. Aber die Begeisterung und Motivation auf das Unternehmen zu übertragen, auf die tägliche Arbeit und damit umzugehen, dass jeder Mensch anders arbeitet, das war eine Herausforderung.

Wie haben Sie die Herausforderungen gelöst?

Wir hatten verschiedene Coachings und Seminare mit Rebecca. Machen wir mal wieder einen Transfer zum Sport: Wenn ich einen Sportler habe, der talentiert ist, aber er bekommt das Talent nicht auf die Straße, dann muss man es ihm zeigen. Die Frage für mich war dann: Wie mache ich das mit den Mitarbeitern? Talente sichten und Talente fördern? Wir haben dann mit dem DISG-Modell gearbeitet, um herauszufinden wo Stärken und Schwächen liegen und wir haben den Mitarbeitern Verantwortung übertragen, auch in Bereichen, in denen diese bisher noch nichts gemacht haben und das haben sie gerne angenommen. Damit haben wir das Unternehmen auf breitere Beine gestellt. Wir diskutieren im Team und jeder kann seine Ideen einbringen. Zwar bin ich immer noch der Chef, der die Entscheidung trifft, aber die Entscheidung welchen Weg wir einschlagen, werden von allen getragen. Und den gehen wir gemeinsam.

Darüber hinaus ist uns wichtig, innovativ zu sein, neue Produkte zu entwickeln – und da muss das Team natürlich wissen, dass es auch mal etwas ausprobieren darf und, ganz wichtig, auch scheitern darf. Diese Unternehmenskultur muss man erst mal aufbauen. Wenn man ein Unternehmen gründet, hat der Chef alles im Kopf. Und diese Vision, diese Ziele, diese Leidenschaft, die muss man erstmal zu Papier bringen, damit die anderen das auch verstehen. Für die erste Mitarbeiterin, die 12 Jahre bei mir war, war das nach kurzer Zeit klar. Wir waren ja nur zu zweit. Aber dann kam ein dritter, vierter, fünfter Mitarbeiter dazu… Dann muss man das alles irgendwann auf Papier bringen, transparent machen, transferieren, kommunizieren und das haben wir mit Rebecca Paul gemeinsam gemacht.

War es für Sie schwer die Verantwortung abzugeben?

Ja klar. Früher dachte ich immer: Bevor ich es jemandem erkläre, mach ich es lieber schnell selbst, dann ist es auch genauso, wie ich es haben möchte… Irgendwann habe ich dann festgestellt, meine Mitarbeiter machen es besser. Und genau das braucht man doch. Wenn man ein Unternehmen und MitarbeiterInnen führen will und wachsen will, dann braucht man Menschen, die es besser können als man selbst. Und dann fällt es auch nicht mehr so schwer loszulassen.

Und es ist natürlich schön zu sehen, dass MitarbeiterInnen sich entwickeln und auch persönlich wachsen. Wenn wir zum Beispiel Seminare mit Rebecca hatten und ich gemerkt habe, dass sich jemand immer mehr zutraut und auch umsetzt, dann macht es mir natürlich auch Spaß die MitarbeiterInnen weiter zu fördern und die Verantwortung in gewissen Bereichen abzugeben.

Wie haben Sie Ihr Team nun ausgerichtet und was sind Ihre nächsten Schritte?

Aktuell versuchen wir natürlich Überbrückungshilfen zu beantragen. Uns ist klar, dass wir ein großes Standbein, nämlich die Wintersaison, abhaken können. Deshalb geht es diesen Winter wirklich darum, die Kosten gering zu halten, die Mitarbeiter bei Laune zu halten und einfach alles andere vorzubereiten. Das heißt, wenn wir im Sommer wieder weitermachen können/ dürfen, dass zum Beispiel auch höhere Buchungszahlen problemlos abgewickelt werden können.

Und aktuell haben wir noch Kurzarbeit. Wir wollen nicht mehr von Woche zu Woche denken, wie es noch im Frühjahr 2020 oder im November war, sondern Klarheit schaffen. Das bedeutet, wir werden bis Mitte März in Kurzarbeit bleiben. Es ist kommuniziert, wer wie viel arbeitet, jeder weiß, was das auf dem Lohnzettel bedeutet und damit kommen alle momentan wunderbar aus. Wir überlegen uns, was zu tun ist, damit wir ab Mitte März gut vorbereitet sind und wieder voller Energie starten können.

Motivation schaffen ist also Ihr persönlicher Erfolgstipp?

Es gibt so ein Beispiel aus meiner Kindheit. Ich war als zehnjähriger Junge als Ski-Langläufer unterwegs und kam mit dem ersten Pokal nach Hause und Papa klopfte mir auf die Schulter. Er hat das damals jedem im Dorf erzählt und mein Opa hat mir 10 Mark geschenkt. Da hab ich als kleiner Junge gemerkt: Okay, wenn ich Leistung bringe, dann bin ich motiviert. Und das war extreme Motivation für mich. Ich habe nie darüber nachgedacht, warum ich jeden Tag – im Regen, bei Schneefall, bei kalten Temperaturen – raus bin, um mein Training zu machen. Ich hatte eine ganz starke innere Motivation.

Und jetzt im Unternehmen ist es ähnlich. Meine Motivation ist da, weil ich weiß, wo ich hinwill. Ich muss es aber auch auf das gesamte Team transferieren. Und ich muss die Aufgabe des Schulterklopfens übernehmen und für die Motivation meiner MitarbeiterInnen sorgen. Im besten Fall übernehmen das natürlich auch unsere Kunden.

Letzten Endes musste ich als Unternehmer zu einem Trainer meines Teams werden. Man muss die unterschiedlichen „Gebrauchsanleitungen“, der MitarbeiterInnen kennen, um diese gezielt einsetzen zu können. Das haben wir bisher erfolgreich gemeistert und werden diesen Weg auch zukünftig weitergehen.  

Original Landreisen ist unabhängig, originell und experimentierfreudig. Sie beobachten die Marktentwicklungen, kennen ihre Heimat und die Gästebedürfnisse.

Sie kombinieren touristische Einzelleistungen sinnvoll zu einem Pauschalangebot und stellen dabei die Wünsche der Gäste in den Vordergrund. Sie verhelfen ihren Gästen zu einem unbeschwerten Natur-Erlebnis und schnüren das passende Päckchen. Nur auspacken und bewegen müssen sich die Gäste noch selbst. Sonst wär’s ja nicht ihr Erlebnis.

Mit ihrem Namen stehen sie für authentische, aktive und unverwechselbare Reisen und Erlebnisse in der natur auf dem Land.

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